Auf europäischer Ebene gibt es drei Organisationen, die beide Seiten der Eisenbahnindustrie vertreten. Auf der Arbeitnehmerseite befindet sich die Europäische Transportarbeiter-Föderation (ETF), während die Gemeinschaft der europäischen Eisenbahn- und Infrastrukturunternehmen (CER) und die Europäischen Eisenbahninfrastrukturbetreiber (EIM) die Arbeitgeber vertreten. CER vertritt Eisenbahnunternehmen und Infrastrukturunternehmen, mit Ausnahme des Verbandes der Eisenbahnbetriebsgesellschaften (ATOC) im Vereinigten Königreich und des Verbandes schwedischer Eisenbahnunternehmen, die Vereinigungen von Unternehmen sind. EIM vertritt 12 unabhängige Infrastrukturbetreiber. 1997 wurde die ehemalige nationale Eisenbahngesellschaft in zwei Einheiten aufgeteilt: Verkehrsdienste (Comboios de Portugal) und Infrastrukturmanagement (National Railroad Network, REFER). Ein Unternehmen, EMEF, das sich der Reparatur von Schienenfahrzeugen widmet, war 1992 gegründet worden. Im Jahr 2009 wurde CP Carga gegründet, um DenGüterverkehr zu betreiben. Sowohl die Beschäftigung als auch die Arbeitsbedingungen im Eisenbahnsektor haben sich in den vergangenen Jahren erheblich verändert, und die Liberalisierung des Sektors hat eine größere Effizienz erforderlich gemacht. Einerseits sind die alten öffentlichen Monopole zu unabhängigen staatlichen Unternehmen geworden, die nach Marktregeln tätig sind, und sind daher unter Druck geraten, ihre Produktivität zu steigern. Auf der anderen Seite versuchen neue Marktteilnehmer, Marktanteile zu gewinnen, indem sie wettbewerbsfähig sind und in der Lage sind, Dienstleistungen flexibel anzubieten. Darüber hinaus verändern neue Technologien (Online-Verkauf von Fahrkarten, Fernsteuerung von Zügen und automatische Zutrittskontrollsysteme, die weniger Wartung erfordern) die Arbeitsmenge und die von der Branche geforderten Berufsprofile.

In 16 Ländern gibt es Arbeitgeberorganisationen, meist nur eine pro Land (Tabelle 11). Fünf Länder haben zwei; in Italien gibt es drei und in Schweden vier Arbeitgeberorganisationen. Wie bereits erwähnt, sind sektorspezifische Arbeitgeberorganisationen, die Tarifverhandlungen mit mehreren Arbeitgebern führen, im Eisenbahnsektor jedoch selten (siehe Tabelle 13). Nur in Finnland und Schweden gibt es Tarifverhandlungen mit mehreren Arbeitgebern, die den gesamten Eisenbahnsektor abdecken. In Finnland finden Tarifverhandlungen auf sektoraler Ebene statt. Hier trifft PALTA Tarifverträge mit Gewerkschaften sowohl im Bereich der Erbringung von Eisenbahndienstleistungen als auch im Infrastrukturmanagement; in ersterem beteiligt sich auch die Arbeitgeberorganisation INFRA ry an Tarifverhandlungen. In den letzten zwei Jahrzehnten wurde die Umstrukturierung des Eisenbahnsektors durch EU-Rechtsvorschriften vorangetrieben, die darauf abzielen, die Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Eisenbahnsystems zu verbessern. Die Bemühungen der Europäischen Kommission zielten hauptsächlich darauf ab: In Frankreich befasste sich eine sektorale Vereinbarung über die berufliche Bildung (31. Oktober 2011) mit Ausbildungsplänen, deren Kosten 0,3 % der Lohnsumme ausmachten.